Tanzwissenschaft

Tanzwissenschaft lässt sich analog zur Musikwissenschaft mit ihrer seit 1885 bestehenden Gliederung in Tanzgeschichte und systematische Tanzwissenschaft einteilen. Zu letzterer zählen Tanzpädagogik und Tanzpsychologie. Wie diese als Disziplinen der Angewandten Musikpsychologie gelten, so müssen auch Tanzpädagogik und Tanztherapie als praxisbezogene wissenschaftliche Disziplinen der Angewandten Tanzpsychologie gelehrt werden. Von musik- und tanzpsychologischen Kenntnissen des Wirkungspotentials der Künste Musik und Tanz profitieren Tanzpädagogik und Tanztherapie.

Tanzwissenschaftliche Forschung war an dem von mir übernommenen Institut für Musik- und Tanzpädagogik an der Sporthochschule Köln, an dem mein Vorgänger sämtliche Stellen mit seinen Absolventen besetzt hatte, trotz der anfangs sehr kooperativen, großenteils noch von Carl Diem bzw. von seiner 24 Jahre jüngeren, 1992 gestorbenen Frau Liselott berufenen Kollegen aufgrund des von vorneherein subversiven (Bewegungs-)theaters des später gegen jegliche an wissenschaftlichen Hochschulen geltenden Qualifikationskriterien beförderten Maulwurfs in meinem Instítut zunehmend unmöglich, zumal ich mich alsbald nach meiner Berufung von Carl Diem und seinem Geist distanziert und das Treiben jener Lehrkraft für besondere Aufgaben zu hinterfragen begonnen hatte. Obgleich es bei dem Senatsbeschluss vom 30.3.1987 zur Einführung des Zusatzstudiengangs Musik- und Tanztherapie keine einzige Gegenstimme gegeben hatte, war trotz des im Vorlesungsverzeichnis ausgewiesenen Bereichs gegen die destruktiven Machenschaften nicht anzukommen, erst recht nicht nicht mehr, als ich mich öffentlich für die Umbenennung des Carl-Diem-Wegs ausgesprochen hatte.

Wie jener Diplom-Sportlehrer als weisungsgebundene Lehrkraft für besondere Aufgaben mit 6 Semestern Studium an der Sporthochschule Köln ohne Staatsexamen, Promotion und Habilitation aufgrund falscher Anhaben promotionsberechtigt und Institutsleiter wurde, hat der Wissenschaftsjournalist Dr. Horstkotte am 20.3.2013 aufgedeckt. Diesem Mitarbeiter und seiner Frau, beide von meinem Vorgänger als dessen Absolventen in Lebenszeitstellen gehievte Lehrkräfte für besondere Aufgaben, war es gelungen, das Institut für Musik- und Tanzpädagogik zu ruinieren. Meine Lehrveranstaltungen wurden trotz bester Bewertungen von aufgehetzten Studierenden, die mich nicht kannten, boykottiert. Ein kostbarer Steinway-Flügel, den keine Lehrkraft spielen konnte, den ich aber für meine Lehrveranstaltungen brauchte, wurde unspielbar gemacht (Foto). Warum diese Kampagne? (Karl Friedrich) "Kafi" Biermann, der in jeder Hinsicht fraglos ungleich bessere Mann meines Instituts und zudem begnadeter Sänger und Gitarrist, hatte sein unkündbares Dienstverhältnis sofort und ohne jegliche Rückversicherung hingeschmissen, als ihn die "Bläck Fööss" engagierten. Damit verlor ich meinen allseits angesehenen Stellvertretenden Institutsleiter. Sein Rivale, in erster Linie an seinem von ihm nur noch allein und nicht vergleichbar vertretenem, in keiner anderen Sportlehrerausbildung zu findendem Fach interessiert,  hatte jegliche Nachfolgebereitschaft zu unterdrücken verstanden. Als um das Wohl aller besorgter Institutsleiter, der auf Druck des Rektorats und des Ministeriums die überhand genommenen Lehraufträge abbauen und dafür sorgen musste, dass jede Lehrkraft ihr Stundendeputat erfüllt, erhielt ich aufgrund der organisierten Bedrohungen Personenschutz, so dass ich bei Dienstschluss des Personenschützers das Gelände verlassen musste. Das Ministerium hatte mir mit ausdrücklicher Entschuldigung angeboten, unter Wahrung meiner Rechte an der Sporthochschule meine Lehrtätigkeit an der Universität Münster durchzuführen. Obgleich mir die Lehrtätigkeit an der Sporthochschule und an der Musikhochschule Köln sehr viel Freude bereitet hatte, hatte ich dieses Angebot notgedrungen dankbar angenommen. Vor Gericht hatten die Lehrkräfte für besondere Aufgaben, die sich im Lauf der Jahre immer mehr Freiheiten angeeignet und auf ihr Gewohnheitsrecht berufen hatten, verloren. Näheres dazu ist beschrieben in der von der Sporthochschule genehmigten Schrift "Rudelmentalität als Substanz von Bewegungskultur - Zur Tanzpädagogik in der Kölner Sportlehrerausbildung. Ein Diskussionsbeitrag zur Qualität der Lehre im Schatten Carl Diems." Münster 1999.

Die professionelle Ausbildung in Musik, Tanz und Theater findet traditionellerweise fast ausnahmslos an Musikhochschulen statt. Da dazu die Studierenden bereits in jungen Jahren, also viele Jahre vor der Aufnahmeprüfung die notwendigen Fertigkeiten erwerben, haben Absolventen anderer Ausbildungseinrichtungen häufig nur in schlecht bezahlten Randbereichen der freien Marktwirtschaft wie etwa als Übungsleiter eine gewisse Chance und wechseln nicht selten zur Tanztherapie, ohne ein Tanzstudium absolviert zu haben.

Die meisten Lehrpläne an Schulen enthalten tanzpädagogische Aspekte. Musik- und Sportlehrer können während ihres Studiums Kenntnisse dazu erwerben. Gesellschaftstanz lernt man hauptsächlich in Tanzschulen.

Zur gründlichen Ausbildung gehört auch die Reflexion - insbesondere in der universitären Tanzpädagogik, in der neben dem fachspezifischen Training und der Berücksichtigung adressatenspezifischer Gegebenheiten auch die Analyse von Tanz, seiner Wirkung und methodischen Vermittlungsformen den ihr gebührenden Platz einnehmen muss, soll der Tanz nicht nur körperlich beherrscht, sondern auch in seiner Eigenheit erlebt und verstanden werden.

Um die aus der seit alters entwickelten Erfahrungen aus der Musikpädagogik für eine an Sportlehrerausbildungsstätten noch eher selten zu findenden Tanzpädagogik zu nutzen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Musik und Bewegung gemäß meines Lexikonbeitrags "Musik und Bewegung" von 1978 zu erforschen, hatte die Hamburger Musikpädagogikprofessorin Dr. Helga Ettl die Gesellschaft für Musikforschung gegründet. 1986 hatte ich von ihr die Leitung übernommen, da mir das innovative integrierte Konzept der von Carl Orff und Dorothee Günther 1924 in München gegründeten Schule Herzensanliegen war; die vielseitige Dorothee Günther war sowohl bildnerisch und kunstgeschichtlich ausgebildet, als Regieassistentin am Schauspielhaus Hamburg tätig als auch in den Systemen von Jaques-Dalcroze u.a., mit denen sich bereits meine Dissertation befasste, versiert. Die Improvisation war mir aufgrund meines Musikhochschulstudium bei dem Orff-Schüler Prof. Dr. Claus Thomas und aus den vom Rektor des Mozarteums Prof Dr. Wolfgang Roscher, dem Gründer der Polyästhetik, im Schloss Mittersill veranstalteten Improvisationswochen vertraut. In den folgenden Treffen der Gesellschaft für Musikforschung waren aber nahezu ausschließlich Tanztherapeutinnen erschienen, die allesamt kein Tanzstudium absolviert hatten und nicht promoviert waren. Ich hatte die Leitung schließlich an einen Sportprofessor aus Bremen weitergereicht. Das Institut für Bühnentanz hatte mir dann eine Diplom-Bühnentänzerin mit Universitätsabschluss M.A., professioneller Tanzpraxis und Tanzausbildung in der Hochburg des Indischen Tanzes in Madras und noch dazu mit exzellenten musikwissenschaftlichen Kenntnissen vermittelt. Ein wahrer Glücksfall. Doch waren meine Anstrengungen, ihr reichhaltiges Wissen für die Sportstudenten meines Instituts einzusetzen, vergebens. Wie der mit dem an Schulen und in der Lehrerausbildung in nördlichen Bundesländern abgeschaffte Singen einen nicht wieder gutzumachenden unsäglichen Schaden angerichtet hatte, so war auch die Chance einer Sportlehrerausbildung auf der Basis der Errungenschaften von Dorothee Günther und Carl Orff und einer diesbezüglichen tanzwissenschaftlichen Forschung aufgrund des durch jenen egomanischen Ruins des Instituts für Musik- und Tanzpädagogik an der Sporthochschule vertan. Erst 2017, Jahrzehnte später also, wurde von der Dt. Ges. f. Musikpsychologie das Thema "Musik und Bewegung" wieder aufgegriffen.

Im Sinne der Ganzheitlichkeit des jungen und vor allem der leidenden Menschen aller Altersstufen muss der Zerfall der in  Sparten partialisierten humanistischen Therapien wie Musik-, Tanz-, Kunst-, Drama-, Poesietherapie usw. überwunden werden. Hierzu hatte ich die aus den USA übernommene Bezeichnung Arts Therapies mit der Übersetzung in Künstlerische Therapien eingeführt und damit die Notwendigkeit signalisiert, über den Zaun der eigenen Sphäre zu blicken, wie dies das Anliegen der 1987 von mir gegründeten Zeitschrift Musik-, Tanz-, Kunsttherapie – Zeitschrift für künstlerische Therapien im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen (jetzt komplett in Farbe, zuvor www.hogrefe.de/mtk) ist.

Analog zur Dt. Ges. f. Musikpsychologie wurde am 28. November 1999 in Köln die Internationale Gesellschaft für Tanzpsychologie e. V. gegründet. Sie kümmert sich um eine breitere Berücksichtigung tanzpsychologischer Aspekte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen. Publikationsorgan ist die Zeitschrift MTK. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, jedoch mit der Erwartung von Anregungen und Erfahrungsberichten verbunden (Zuschrift). Mitglieder sind herzlich willkommen.    

Tanztherapie als Angewandte Tanzpsychologie kann berufsbegleitend in Münster studiert werden. Hinweise zum Weiterbildungsstudium Tanztherapie: www.tanztherapie.net.

Tanz in Verbindung mit Musik unter musik- und tanzpsychologischer Ausrichtung wird gelehrt im berufsbegleitenden Weiterbildungsstudium Angewandte Musikpsychologie: www.musiktherapie-info.de 

Die Geschichte der Tanztherapie in Deutschland wird von interessierter Seite bewusst falsch dargestellt. Hier die notwendige Aufklärung: Zur Geschichte der universitären Tanztherapie.

An meine Lehrtätigkeit mit den Sportstudenten denke ich sehr gerne zurück. Sportstudenten sind begeisterungsfähig. Die Teilnehmer an meinen Praxisveranstaltungen  wussten den besonderen Umstand zu schätzen, dass sie, ansonsten auf Tonkonserven angewiesen, die diversen Stilarten von Musik- und aktuellen Tanzrichtungen ebenso wie Volks-, Folkoloretänze und Stücke aus der Ballettgeschichte vom Steinway-Flügel aus musik- und tanzpsychologisch so interpretiert erhielten, dass sie das musik- und tanzinhärente Wirkungspotential entsprechend erleben, choreographieren und vermitteln konnten. Nachdem das Institut durch eine Intrige bedingt den einzigen übernommenen und noch dazu hervorragenden Wissenschaftler verloren hatte, nahm es einen hoffnungsvollen Aufschwung unter meinem Stellvertreter Karl-Friedrich Biermann, einem absolut integren und ungemein vielseitigen und engagierten Kollegen, der mich vertreten hatte, als ich zeitweise meiner Lehrtätigkeit an der Karls-Universität Prag und in meinen Forschungsfreisemestern der weiteren Entwicklung der Tanztherapie seit ihrer Gründerin, der Diplom-Sportlehrerin Liljan Espenak, die meiner Einladung zu ihrem Tanztherapie-Workshop gefolgt war, nachging. Nach seinem Wechsel zu den "Bläck Fööss" verhinderte jener ihm in keiner Weise gewachsener, mit Bericht vom 20.3.2013 entlarvter Rivale die Besetzung des Postens des Stellvertreters und sorgte für die Abschaffung des traditionsreichen musikpädagogischen und musik- und tanztherapeutisch erweiterten Aspekts in dem überaus reichen Spektrum der Deutschen Sporthochschule. Sehr erfreulich ist immerhin das Wirken der Juniorprofessorin im übrig gebliebenen Bereich mit ihren auch tanzwissenschaftlichen Projekten.

Von Prof. Dr. Dr. K. Hörmann betreute und zugängliche Dissertationen: Kahl, Drewniok, Bettag, Michael, Kang, Lee, Oh. Weitere auf Anfrage.

© Univ.-Prof. Dr. Dr. Hörmann
ehem. Leiter des Instituts für Musik- und Tanzpädagogik und des Bereichs Musik- und Tanztherapie der Deutschen Sporthochschule, 50927 Köln

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